{"id":189,"date":"2020-08-10T07:38:40","date_gmt":"2020-08-10T07:38:40","guid":{"rendered":"http:\/\/amateurfunk-goslar.eu\/?page_id=189"},"modified":"2020-09-07T19:48:15","modified_gmt":"2020-09-07T19:48:15","slug":"die-wahre-geschichte-vom-steinberg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/amateurfunk-goslar.eu\/?page_id=189","title":{"rendered":"Die wahre Geschichte vom Steinbergrelais von DJ4JI"},"content":{"rendered":"<p>50 Jahre Steinberg- Relais- Die Geschichte<br \/>\nVon Klaus Helmbrecht DJ4JI<\/p>\n<p>Die Vorgeschichte<\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte der 60er Jahre drehte man \u00fcber das 2-Meterband und h\u00f6rte fast immer ein durchgehendes Rauschen. Das lag nicht daran, da\u00df man glaubte, der Empf\u00e4nger sei kaputt, sondern daran, da\u00df nur wenige Funkamateure auf UKW QRV waren.<\/p>\n<p>Es gab nur wenige Fertigger\u00e4te, die qualitativ sehr hochwertig und dementsprechend auch preislich oben angesiedelt waren z. B. G\u00f6tting &amp; Griem, Lausen\/SEMCOSET oder MTR25 von Richter &amp; Co. Die meisten OMs, die trotzdem auf UKW Betrieb machten, hatte einen Konverter, z.B. NOGOTON, der das Empfangs-Signal von 144 auf 28 MHz umsetzte. Der Sender war fast immer selbstgebaut und quarzgesteuert, da es eine technisch gro\u00dfe Herausforderung war, einen VFO frequenzstabil zu bauen.<br \/>\nSo hatte quasi jeder UKW-Funkamateur seine eigene Haus- QRG. Als Betriebsart war fast nur Amplitudenmodulation zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u00c4ltere OMs, die damals auf UKW funkten, erinnern sich sicher noch an den typischen Satz nach einem CQ-Ruf auf der eigenen Quarz-QRG: \u201eIch h\u00f6re jetzt von 144 bis 145 MHz\u201c, dann kam der n\u00e4chste CQ-Ruf und endete mit dem Satz: Ich h\u00f6re jetzt von 145 bis 146 MHz\u201c.<\/p>\n<p>In der Zeit wurde viel diskutiert, ob AM, SSB oder FM die beste Betriebsart f\u00fcr UKW sei.<br \/>\nDoch dann kam alles anders, als das man sich jemals h\u00e4tte tr\u00e4umen lassen!<\/p>\n<p>Ein Erlass des Bundesministeriums f\u00fcr das Post- und Fernmeldewesen verlangte bis zum 1. Januar 1970 die Umstellung alle N\u00f6bL-Ger\u00e4te von 50 auf das 20-KHz-Raster. N\u00f6bL ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u201enicht \u00f6ffentlich beweglicher Landfunk\u201c. Dazu z\u00e4hlten Taxen-und Betriebsfunkanlagen, die meist im Bereich um 147 \/ 150 MHz arbeiteten. Da nur ganz wenige Ger\u00e4te die technischen Voraussetzungen hatten, auf das 20-KhZ-Raster umzustellen, wurden schlagartig \u00fcber 100.000 Funkanlagen nicht mehr f\u00fcr den kommerziellen Dienst zugelassen.<\/p>\n<p>Eine Sternstunde im Amateurfunk!<\/p>\n<p>Ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten lie\u00dfen sich diese FM-Funkger\u00e4te mit Amateurfunkmitteln f\u00fcr den 2-Meter-Betrieb umbauen. Das beliebteste Ger\u00e4t war das BOSCH KFT160. In der Gr\u00f6\u00dfe einer gut gef\u00fcllten Aktentasche fand dieses \u201eR\u00f6hrengrab\u201c seinen Platz im Kofferraum vieler OM. Das abgesetzte Bedienteil hatte die Gr\u00f6\u00dfe eines Autoradios und besetzte meist den Platz des Aschenbechers im Auto-Cockpit. Und so machten viele OM mit diesem 10-Watt-FM-Ger\u00e4t ihre ersten QSOs und entdeckten Ihre Liebe f\u00fcr den Amateurfunk auf UKW.<\/p>\n<p>Laut Empfehlung der IARU-Region-1 Konferenz in Br\u00fcssel wurde 145.000 MHz die internationale Anruffrequenz f\u00fcr Mobil- und Portabel-Stationen. Als 2. Arbeitsfrequenz wurde 145.150 MHZ empfohlen. Da die meisten n\u00f6bL &#8211; Ger\u00e4te \u00fcber 2 Quarzkan\u00e4le verf\u00fcgten, war hier ein Problem gel\u00f6st worden.<\/p>\n<p>Jetzt belebte sich das 2-Meter-Band explosionsartig! Doch wie immer bei solchen Entwicklungen, gab es auch hier in der heilen Amateurfunkwelt Bedenkentr\u00e4ger. Da waren die \u201eFrequenzmodulation\u201c und ein \u201eKanalraster\u201c das diese st\u00f6rte. \u00dcblich war eine horizontale Polarisation auf UKW. Jetzt brachte die vertikale, bedingt durch die Fahrzeugantennen alles durcheinander.<\/p>\n<p>Sogar der damalige DARC-UKW-Referent prognostizierte, da\u00df dieser Spuk bald ein Ende haben w\u00fcrde. Der neue UKW-Referent ab 1972 sah das dann realistischer&#8230;.<\/p>\n<p>Da die Reichweite auf UKW bekanntlich beschr\u00e4nkt ist, spielte sich der UKW- Amateurfunkverkehr entsprechend im Umkreis von 10 bis 15 Km ab.<\/p>\n<p>Bei einer Urlaubsreise im Juni 1970 in den N\u00fcrnberger Raum hatte ich ein QSO mit DC6IU, dem Benno aus Erlingshofen bei Greding. Wir trafen uns anschlie\u00dfend visuell und Benno f\u00fchrte mir sein KFT160 vor. Er hatte auf dem 2. Kanal seines KFTs den N\u00fcrnberger Umsetzer \u2013 so nannte man damals eine Relaisstation. Ich war begeistert von den M\u00f6glichkeiten der Reichweite des auf dem Moritzberg installierten Umsetzers. Benno erz\u00e4hlte mir von der Technik und als ich wieder in die heimatlichen Harzer Gefilde zur\u00fcckgekehrt war, habe ich mich mit Struppi, DJ3JW und Manfred, DJ4JC getroffen.<\/p>\n<p>Solch einen Umsetzer brauchten wir im Harz! Als Standort hatten wir den Bocksberg bei Hahnenklee vorgesehen, da wir so eine Verbindung \u00fcber den Harz h\u00e4tten. Den Wirt der dortigen Gastst\u00e4tte kannte ich gut und nach dem Motto \u201eeine Hand w\u00e4scht die Andere\u201c war die Unterbringung der Anlage einschlie\u00dflich der Antennen gesichert. DJ3JW und DJ4JC sollten je ein KFT160 als Umsetzer umbauen. Als Arbeitsfrequenz \u00fcbernahmen wir die des N\u00fcrnberger Umsetzers: Eingabe 144,150, Ausgabe 145,850 MHz also ein Abstand von 1,7 MHz. Die Durchschaltung erfolgte NF-gesteuert, also noch nicht mit Tonruf, das gab es damals noch nicht. Nachdem Struppi, DJ3JW, nur langsam in die G\u00e4nge kam, hatte Manfred, DJ4JC nach nur 2 Monaten Bauzeit eine betriebsbereite Anlage in Braunschweig fertig. Da der Bocksberg nur mit einer Sondergenehmigung mit dem PKW zu erreichen ist, entschlossen wir uns zum Probebetrieb auf dem Steinberg bei Goslar, da in der ersten Zeit Wartungsarbeiten auf uns zuk\u00e4men und der Standort jederzeit schnell zu erreichen sein mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Dort stand das Steinberg- Hotel und ein Aussichtsturm, der hatte eine H\u00f6he von 490 Meter H\u00f6he \u00fcber NN. Neben dem Turm befand sich ein kleiner, ehemaliger Kiosk, der als Abstellraum f\u00fcr alte Gartenm\u00f6bel diente. Ich kannte den Wirt und habe ihm erkl\u00e4rt, da\u00df wir da gerne einen Probebetrieb installieren wollten, um sp\u00e4ter alles dann auf dem Bocksberg installieren zu k\u00f6nnen. Er gab uns die Genehmigung und wir waren happy&#8230;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-863\" src=\"http:\/\/amateurfunk-goslar.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Antennealt-231x300.gif\" alt=\"Bild1\" width=\"148\" height=\"192\"><\/p>\n<p>Die Stromversorgung erfolgte \u00fcber ein 50 Meter langes, durch die B\u00e4ume verlegtes Kabel zum Kiosk. Als Antennen dienten zwei selbstgebaute HB9CV, <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-864 alignright\" src=\"http:\/\/amateurfunk-goslar.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Relaisalt.gif\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"127\">die im Abstand von ca. 2 Meter mit Besenstielen am Dachfirst des Kiosk montiert wurden. Sp\u00e4ter kamen diese HB9CV-Antennen an den Fahnenmast oben auf den Aussichtsturm. Zwischen den im Kiosk gelagerten Gartenst\u00fchlen und Tischen schufen wir uns Platz f\u00fcr einen Tisch, auf dem dann das umgebaute KFT160 und das Netzteil positionierten. Die damaligen Lizenzbestimmungen lie\u00dfen keine automatischen, personenlosen Amateurfunkstationen zu. Ausnahmen waren lediglich einige ganz wenige Baken.<\/p>\n<p>Nach R\u00fccksprache mit DL6NB von der damaligen OPD Braunschweig, verwendeten wir das Ausw\u00e4rts-Call DJ4JIA. Nun konnte es losgehen.&nbsp;&nbsp; Das 1. QSO lief am Sonnabendnachmittag, dem 10. Oktober 1970 DL1AM mobil und mir, DJ4JI mobil. Wir waren damit nach dem Moritzberg DL\u00d8NFA, Betriebsaufnahme am 5. Juli 1969 und dem Zugspitzrelais DL\u00d8ZU, Betriebsaufnahme Juli 1970 das 3. Relais in DL und auch in Europa. In den n\u00e4chsten Tagen wuchs sprunghaft die Zahl der Teilnehmer und in den folgenden Wochen kamen weitere Umsetzer\/Relais dazu. In unserer N\u00e4he kam das Relais Elm und der Deister und Wieter bei Northeim hinzu.<\/p>\n<p>Da\u00df diese Entwicklung derartig den Amateurfunk auf UKW ver\u00e4ndern k\u00f6nnte, konnte damals keiner ahnen. Der inzwischen leider verstorbene Manfred, DJ4JC, fuhr in der Folgezeit mehrmals w\u00f6chentlich mit hochwertigen Messinstrumenten, die er sich aus seinem QRL ausgeliehen hatte, bei Wind, Regen und Schnee die 50 Kilometer von Braunschweig auf den Steinberg um die Anlage technisch weiter zu entwickeln. Wir erhielten aus ganz DL Anfragen und so entschlossen wir uns, am 4. April 1970 das legend\u00e4re Steinberg-Treffen durchzuf\u00fchren. Neben dem damaligen DARC-UKW-Referenten und DK6NF aus N\u00fcrnberg, waren aus dem norddeutschen Raum zahlreiche angehende Relaisverantwortliche und technisch interessierte OM erschienen. Die Folge dieser Tagung war die Geburtsstunde der \u201eSTEINBERG-BRIEFE\u201c,<br \/>\ndie jahrelang spezielle Themen der Relais ver\u00f6ffentlichte und sogar Leser in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern hatte.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in die Gegenwart: In der CQDL 9-2019 berichtete Uli (DG3HF) \u00fcber das 10 j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der RIG (Relais Interessen Gemeinschaft) Steinberg. Kurzes Res\u00fcmee: 2017 begann die Phase der Total Erneuerung der technischen Einrichtungen. Das Geb\u00e4ude auf dem Steinberg wurde von Markus (DOGSM -1. Vors. der RIG Steinberg) und Ulf (DH1AAI &#8211; Relaisverantwortlicher) in m\u00fchsamer und aufwendiger Arbeit grundsaniert und die neuen Ger\u00e4tschaften (CQDL 9-2019 -Seite 46) wurden installiert. Was man so in einem Satz mal eben hin schreibt, hat viel Schwei\u00df und Einsatzbereitschaft gekostet. Nun ist das Steinbergrelais f\u00fcr die Zukunft ger\u00fcstet und gut aufgestellt und es bleibt zu hoffen, da\u00df es auch in der Zukunft so aktive DARC Mitglieder gibt, die alles \u201ein Schu\u00df\u201c halten. Dann brauchen wir uns um das Relais f\u00fcr die n\u00e4chsten 50 Jahre keine Sorgen zu machen.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe angedachte Relaisfest zum 50. Jubil\u00e4um im Oktober 2020 mu\u00df wegen der aktuellen Lage ausfallen. Es ist aber nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben. Versprochen!<\/p>\n<p>..und um mit Friedrich Ebenstein zu sagen:<br \/>\n\u201e &#8230;und nun kennen Sie die wahre Geschichte! \u201e<\/p>\n<p>73! Klaus DJ4JI<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>50 Jahre Steinberg- Relais- Die Geschichte Von Klaus Helmbrecht DJ4JI Die Vorgeschichte In der ersten H\u00e4lfte der 60er Jahre drehte man \u00fcber das 2-Meterband und h\u00f6rte fast immer ein durchgehendes Rauschen. 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